Tibet, ein (fast) vergessenes Land.

Jeder kennt den Namen, aber auf der Landkarte ist Tibet nicht so schnell zu finden da es 1959 von den Chinesen besetzt wurde. Die Zugehörigkeit zur Volkrepublik China ist bis heute umstritten (Mehr Infos unter http://de.wikipedia.org/wiki/Tibet).

Tibetanische Teppiche:

Überlieferungen zur Folge wurde die Teppichknüpfkunst vor  mehreren hundert Jahren durch reisende Händler über die Seidenstraße nach Tibet gebracht, andere Quellen berichten von den Turkmenen die diese Kunst bei ihren Wanderungen und Kriegszügen auf das tibetische Hochplateau brachten.
Das die Tibetanischen Teppiche bei uns kaum bekannt sind, liegt an der Tatsache, das in Tibet keine Teppiche für den Export hergestellt wurden. Es wurde fast nur für den Eigenbedarf geknüpft. Oft wurden diese Teppiche als Geschenke für Hochzeiten oder zum Bezug in eine neue Wohnung geknüpft und dann verschenkt.
Noch älter ist die Tradition der Herstellung von Satteldecken, die überwiegend zum Schutz des Pferderückens dienten aber auch als Sitzunterlagen Verwendet wurden. Es wurden auch sehr viele Stücke in den Abmessungen 150-185 x 60-90 als Schlafunterlage hergestellt. Man darf dabei nicht vergessen, dass in Tibet ein sehr raues Klima herrscht. Die Temperaturunterschiede sind extrem, Tibet liegt in einer Höhe von Durchschnittlich 4500 bis 5000 Meter, und Teppiche dienten somit auch als Schutz gegen die Kälte.
Ursprünglich waren alle alten Tibeter zur Schonung und Wärmedämmung bei Verwendung im Freien unterfüttert. Die Fransen der alten Tibeter sind meistens eingenäht und von der Abfütterung und Umrandung verdeckt.  Die Abfütterung ist meist mit einer roten oder blauen Randeinfassung aus Stoff oder Samt von ca. 5 – 8 cm Breite rundherum versehen.
Die meisten traditionellen Teppiche der Tibeter stammen aus dem Panau-Distrikt zwischen den Orten Gyantse und Schigatse. Auch die Region um Lhasa war ebenfalls ein Hauptplatz der Entstehung von feineren Tibetanischen Teppichen.

Das Flormaterial besteht in aller Regel aus handgekardeter und handgesponnener Schafswolle, nur selten aus Ziegen- Yak- oder Kamelhaar. Die Wolle stammt dabei überwiegend vom Hochlandschaf aus Zentral-Tibet. Nur diese Rasse wird in diesen großen Höhen gezüchtet und Wiedersteht durch den hohen Fettgehalt in der Wolle auch den tiefsten Temperaturen. Dieser hohe Fettgehalt sorgt auch für die sehr große Strapazierfähigkeit und den Glanz der Wolle. Kette und Schuss des Untergewebes bestehen bei alten Stücken meist auch aus Wolle, seltener aus Baumwolle.

Teppiche aus Tibet unterscheiden sich von allen anderen Knüpfteppichen durch die Verwendung eines Knüpfstabes: Über den baumwollenen Kettefaden und einen zirka fünf Millimeter dicken Metallstab wird der Florfaden geschlungen. Wenn eine ganz Knotenreihe fertig ist, werden die Schlingen aufgeschnitten und es entsteht ein bürstenartiger Flor. Dadurch konnte die Knüpfleistung erhöht und der Materialverlust reduziert werden.
Gefärbt wurde Hauptsächlich mit Naturfarben. Im Wesentlichen unterscheiden sich alte Tibeter  durch ihre außergewöhnlichen Farben und einer Musterung, die, bis auf mit China, keine Ähnlichkeiten mit Knüpfarbeiten aus den anderen Ursprungsländern aufweist.
Sie sind ein Beispiel dafür, wie sich religiöse und weitere geistige Einflüsse in handgeknüpften Teppichen wiederspiegeln. Es finden sich viele Motive aus der tibetischen Mythologie: Drache, Phönix, Tiermotive, Mandalas, Lotus- und Chrysanthemenblüten, buddhistische Glücksymbole, Swastika, Endlosknoten, sowie immer wieder die drei übereinanderstehenden Medaillons – das Symbol der drei buddhistischen Lotussitze.
Außerdem finden sich viele Motive aus dem lamaistischen Buddhismus und dem Taoismus, auch chinesische Muster haben Einfluss genommen.
Die Knüpfdichte spielte bei der Herstellung nur eine untergeordnete Rolle, da die Teppiche in Tibet nicht als Bodenbelag gedacht waren.

Wir zeigen Ihnen hier eine Auswahl unserer Tibet-Kollektion die Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Weitere Stücke befinden sich in unserem Lager in Hamburg.

Erklärung der handelsüblichen Bezeichnungen. Der tibetische Ausdruck wurde jeweils in Klammern gesetzt:

Sabden (sa-gdan) = großformatiger Teppich
Khaden (kha-gdan)  = Sitz- oder Schlafteppich
Goyo, Goyül (sgo-yol)  = Wandbehang, Türvorhang
Katum  (ka-´thum)  = Säulenteppich
Makden (smag-gdan) = Sattelunterteil, Sattelunterlage
Masho  (smag-shol) = Satteloberteil
Takheb (rta-kheb)  = Pferdedecke
Tkheb  (dpral-kheb)  = Pferdekopfschmuck
Jabuye (rgyab-snyi)  = Kopfkissen
Thigyabyö (khri-rgyab-yol) = Stuhlrücken
Khagangma (kha-gang-ma) = Stuhlsitz
Kyongden (rkyong-gdan) = Läufer bis 500 cm Länge
Kyongring (rkyong-ring)  = Läufer mit über 500 cm Länge

Desweiteren Empfehlen wir Ihnen das Buch „Tibeter-Teppiche“ von Hans Hongsermeier, mit Beiträgen von Heinrich Harrer, Peter Mauch und Jim Ford. Erschienen im Pinguin-Verlag, Innsbruck.

 

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